Wolfgang Trepper  
Texte
       
                 
       
  Frühstück für Elfie    
 

Ich mein’, ich wollte sie auch am Schluss mal doch positive Seite von meine Elfie, von meiner Frau, also was ich alles für die tu! Und das war erst am vorigen Sonntag wieder soweit, am gottweißwievielten Hochszeitstag.
Da dachte ich, statt Ringe und Rosen, wie der Hans Schlechtriem et bei runde Hochzeitstage, also welche mit 5 oder null am Ende, immer macht, mach’ ich eben auch wat schönes: Mal Frühstück mit allen Schikanen.

Also schon am Samstag um kurz vor eins mittags auf dem Markt Blumen geholt, kurz vor Schluss sind se billiger.
Und Sonntagmorgen ging et dann los. Die 20 Trosnelken inne Vase, und ich mein: Tassen und Brettchen für Frühstück sind ja kein Problem: Aber ein Eierkocher? Wie geht das denn? Also, ich wusste ja: Eier müssen immer mit Wasser bedeckt sein. Ging aber nicht, lief an der Seite immer wieder raus. Oben der Deckel war auch kaputt, war ein Loch drin. Also keine Eier.

Dann wollte ich die Kaffeemaschine anmachen. So 'ne Kaffeemaschine ist ja schlimmer als wie ein Puzzle. Hier ein Deckel, da 'ne Klappe hier ein Knopf, also schönen Dank, ich hab’ den löslichen genommen. Und wollte Wasser heiß machen mit den teuren italienischen Kessel, tja, der sieht gut aus, geht aber nicht auf. Da hab ich gedacht, gefriergetrockneter Kaffee wird ja auch mit kalt Wasser schmecken.

Jetzt isst die Elfie ja für ihr Leben gern Toastbrot. Gut – ich den blöden Toaster aussem Schrank gefummelt. Bis ich das Stromkabel rausgezogen hatte, also dann hab ich erst mal versucht das Kabel richtig gerade zu ziehe, da hatte ich es inne Knochen. Ich mein: Toastbrot haben früher beim Zelten auch einfach so, ohne dass es braun gemacht wurde.
Dann hab ich gedacht: Gut, back ich ihr Brötchen. Die Dose mit so 'ner albernen Backfigur drauf. Also Sie: Ich hab se nicht aufgekriegt. Irgendwann hab ich se dann voll Wut auffen Tisch gehauen, da ging se zufällig auf. Tja, dann erst mal ordentlich Büchsenmilch auf das Blech und alles in den Herd gefummelt. Am Herd jede Menge Knöppe. Ich hab vorsichtshalber mal alle angemacht.
Naja, die Abdeckplatten oben auf´m Herd gefielen mir sowieso nicht.

Dann hab ich mir die Knochen am Blech verbrannt. Die Brötchen waren pechschwarz. Ich denk mal, 45 Minuten sollte wohl doch 4 bis 5 Minuten heißen.
Dann hab ich erst gemerkt, dass wohl in der ganzen Aufregung das Wasser in der Vase von mir vergessen worden war.

Und ich wollte es ja gut machen, also den Nescafe mit den weißen kalten Toast, bisschen Frühlingsquark auffen Tablett die eigentlich Trockenblumen mit Wasser geflutet daneben. Ich rein ins Schlafzimmer. Ich sag es wie et is: Nach diese ganzen übernatürlichen Anstrengungen: Ich hab die doofe Perserbrücke nicht gesehen.

Alles quer über das neue Oberbett. Tja, die Elfie hat immer noch dran zu arbeiten. Sie käm’ sich vor wie 'ne Trümmerfrau sachtse.
Mir egal. Die Küche sieht mich erst mal nicht wieder. Und nächsten Hochzeitstag lad ich die Elfie ein, in das teure Kaffee auffe Königsstraße zum Brunsch. Das spielen se sogar richtige Klassikmusik.

Und manchmal sogar Ivan Rebroff...